Energieautark – Modellstadt Furth

 

„Eine gut gemischte Struktur ist wichtig“

 

Wenig Geld, dafür eine Vision und ein Bürgermeister der diese umzusetzen versteht. Zahlreiche Preise und Auszeichnungen sprechen für sich. Von Furth bei Landshut kann man einiges lernen.

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Positiv beeindruckt bis begeistert waren die Teilnehmer der Informationsfahrt nach Furth, der ökologischen Modellgemeinde bei Landshut, am letzten Samstag. Die Gruppierung „Zukunft Viechtach“ , die zur Kommunalwahl 2014 eine Liste stellen wird, hatte dazu eingeladen, da sie ihren Schwerpunkt auf die wirksame Umsetzung von ökologischen und nachhaltigen Ideen setzt. Die Gruppe um Bürgermeisterkandidat Christian Zeitlhöfler hatte einen Termin bei dem Further Bürgermeister Dieter Gewies vereinbart. Dieser leitet seit 1996 mit großem Erfolg die Geschicke der 3500-Einwohner-Gemeinde und wendet von Anfang an eine Philosophie der Nachhaltigkeit und des Umweltschutzes an. Der in seiner Amtszeit neu gestaltete Ortskern von Furth besticht durch eine freundliche und lebendige Atmosphäre; ein kommunaler Dorfladen mit barrierefreiem Durchgang zum Bäcker und zum Metzger wird gerne von Jung und Alt angenommen. Gewies betonte, eine gemischte Bevölkerungsstruktur sei ihm sehr wichtig, der Ort fördere aktiv ein Miteinander der Generationen und sozialen Schichten, sehr viel werde in Bildung und Erziehung investiert. Auf Gewies´ Anregung hin hatte sich der Gemeinderat 1999 per Beschluss das Ziel gesetzt, zu hundert Prozent auf erneuerbare Energien umzusteigen, aus ökologischen wie auch aus ökonomischen Gründen. Bei der Wärmeversorgung sei dieses Ziel derzeit zu 80% erreicht, bei der Stromversorgung bereits zu 90 %. Gewies führte die Viechtacher durch das kommunale Hackschnitzelheizwerk, eines der Standbeine der Further Energieversorgung. Kleinere Biomasseheizwerke, Photovoltaikanlagen und energetische Sanierung sind weitere Segmente des Further Energiewende-Konzepts, auch hier wird auf eine gut gemischte Struktur geachtet. Wert legt Gewies auch darauf, dass die Bürger in alle Projekte eingebunden werden; so fließen nicht unnötig Gelder nach außen ab, die Wertschöpfung bleibt in der Region. Auch bei der Beschaffung des Brennmaterials versucht man so weit wie möglich regional zu wirken; es werden kommunal Hecken angebaut, der Gartenbauverein führt Häckselaktionen durch, die Landwirte vor Ort sind eingebunden. „Viele Dinge werden von den Leuten im Ort gemacht. Das schafft Wohlstand, auch ohne Fabrik.“ Sehr wichtig ist für Gewies die Wasserwirtschaft. Es wurde in Furth versucht, die von der sogenannten Flurbereinigung verursachten Schäden zu beheben; der Hochwasserschutz auch für nachliegende Orte wurde verbessert, indem man u.a.  überflutete Wiesen von Landwirten erwarb und den Bach renaturierte. Auch im ortsinneren Verkehr ist die grüne Handschrift zu erkennen: Flächendeckend gilt Tempo 30.

 

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Ein Klimawandel in vielerlei Hinsicht ist diesem ungewöhnlichen Bürgermeister gelungen: Er hat seine Bürger mit seiner Begeisterung für grünes Wirtschaften anstecken können.  Heute ist er unter anderem stolz darauf, dass seine Gemeinde bei der Ansiedlung neuer Gewerbe wählerisch ist: „Wir wollen keinen Aldi, keinen Lidl, wir wollen eine kleinteilige Struktur.“ Viele Fragen der Viechtacher beantwortete Gewies, unter anderem gab er ihnen auf den Weg: „Man soll sich immer wieder fragen: Wie soll mein Ort in zehn Jahren aussehen? Auf dieser Vision lässt sich dann aufbauen.“

 

EVA BAUERNFEIND

 

 

 

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